Der Ökonom Dr. Andrii Myhailov und die Rechtswissenschaftlerin Emily Sipiorski nehmen an der DAAD-Summer School in Halle teil. (Foto: Corinna Bertz)

Juristen und Ökonomen diskutieren über Ernährungssicherheit

Welche rechtlichen und wirtschaftlichen Hürden müssen überwunden werden, damit kein Mensch mehr hungern muss? Darüber diskutieren 25 internationale Alumni deutscher Forschungseinrichtungen zurzeit bei der Summer School des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) am Juristischen Bereich. Noch bis 16. September tauschen sich die Agrarökonomen und Juristen mit Praktikern und Experten über Ernährungssicherheit im 21. Jahrhundert aus. Mit dabei: Emily Sipiorski aus den USA und Dr. Andrii Mykhailov aus der Ukraine. Im Interview erzählen die Rechtswissenschaftlerin und der Ökonom, warum sie das Thema beschäftigt.

Wie war der erste Tag der Summer School?
Andrii Mykhailov: Sehr intensiv – so viele interessante internationale Redner und Teilnehmer. Und das Thema der Ernährungssicherheit ist heutzutage natürlich für uns alle sehr wichtig.

Emily Sipiorski: Die Referenten haben das Thema aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Sie haben alle bereits umfassend zur Ernährungssicherheit geforscht. Es war ein guter und ergiebiger erster Tag.

Inwieweit spielt das Thema Ernährungssicherheit bei Ihrer Arbeit eine Rolle?
Sipiorksi: Zurzeit habe ich nur wenig damit zu tun. Ich arbeite für eine deutsche Wirtschaftskanzlei im Investmentbereich. Aber natürlich berühren viele Felder, zu denen ich geforscht habe – etwa zu Menschenrechten oder zum Handelsrecht – auch Aspekte der Ernährungssicherheit. Generell möchte ich mich auf dieses Themenfeld gern näher einlassen.

Mykhailov: Ich bin Dozent an der Nationalen Agraruniversität in Sumy, im Nordosten der Ukraine, und forsche insbesondere zu Investitionen im Agrarsektor und zu Agrarholdings – Dachgesellschaften, die an vielen Agrarunternehmen beteiligt sind und damit auch die größten landwirtschaftlichen Flächen besitzen. Ich habe aber auch schon für eine regionale Industrie- und Handelskammer gearbeitet und dort eng mit Unternehmen zusammengearbeitet, zum Beispiel mit Getreidehändlern. Alles, was im Agrarsektor auf finanzieller Ebene passiert, spielt für die Ernährungssicherheit eine große Rolle.

Was genau haben Holdings mit Ernährungssicherheit zu tun?
Mykhailov: Wenn Sie durch die Ukraine fahren, sehen Sie überall Felder mit Raps, Sonnenblumen und Getreide. Nur wenige Länder exportieren mehr Agrarprodukte. Wir sind der größte Exporteur von Sonnenblumenöl weltweit. Investitionen in die Agrarholdings des Landes beeinflussen folglich die Produktion von und den Zugang zu Nahrungsmitteln und damit auch die Ernährungssicherheit weltweit. In diesem Gefüge spielen viele verschiedene finanzielle und rechtliche Aspekte zusammen – nicht nur auf nationaler, sondern auch auf globaler Ebene. Deshalb ist diese internationale Summer School, bei der Argrarökonomen und Wirtschaftsrechtler zusammenkommen, auch so interessant.

Was erhoffen Sie sich von der Summer School?
Sipiorski: Ich will die Summer School vor allem dazu nutzen, neue Perspektiven auf das Thema zu gewinnen und mir einen Überblick über die aktuellen Themen und Herausforderungen zu verschaffen.

Mykhailov: Ich möchte mehr über Investitionen im Agrarsektor in anderen Ländern erfahren und habe dazu für die Teilnehmer der Summer School auch einen entsprechenden Fragebogen vorbereitet. Die Ergebnisse werden in meine Forschung einfließen. Ich freue mich auch, hier einige Kollegen wiederzutreffen, mit denen ich die Diskussionen fortsetzen kann, und will natürlich neue Kontakte knüpfen.
Interview: Corinna Bertz

Informationen zur DAAD Summer School
Die DAAD Summer School findet vom 12. bis zum 16. September an der Uni Halle statt und wird von den Lehrstühlen von Prof. Dr. Christian Tietje und Prof. Dr. Dirk Hanschel in Kooperation mit dem Leibnitz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) organisiert. Eingeladen sind 25 internationale Alumni, die einen Teil ihrer Studien- oder Promotionszeit an einer deutschen Forschungseinrichtung verbracht haben. Die Sommerschule wird aus Mitteln des DAAD-Alumni-Programms gefördert.

Zu dem Thema „Rechtliche und wirtschaftliche Herausforderungen für eine nachhaltige Ernährungssicherheit im 21. Jahrhundert“ sprechen neben den Teilnehmern auch zahlreiche renommierte Experten aus Forschung und Praxis, etwa von der Welthandelsorganisation, der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und den Vereinten Nationen. Schwerpunkte werden in den Bereichen der Agrarökonomie, des internationalen Wirtschaftsrechts, der Menschenrechte und der Entwicklungszusammenarbeit gesetzt. Die Beiträge der Alumni werden im Anschluss in einem gemeinsamen Tagungsband veröffentlicht. Romy Klimke

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Kommentare [ 1 ]

1 Andrii Mykhailov schrieb am 19.09.2016 um 5:52

Vielen Dank für Ihre Zeit und Aufmerksamkeit

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