René Krempkow, Armin Willingmann, Katja Urbatsch, Katja Pähle, Andreas Keller und Wolfgang Auhagen bei der Diskussion zum Thema Diversität an Hochschulen. (Foto: Maike Glöckner)

Podiumsdiskussion: Vielfalt als Normalität

Das Thema Diversität rückt an den Hochschulen immer stärker in den Fokus. Am Mittwochabend, 8. Februar, lud der Arbeitskreis Inklusion des Studierendenrats zusammen mit dem Wissenschaftsforum Mitteldeutschland zu einer Podiumsdiskussion in den Hallischen Saal ein. Zu Gast war unter anderen Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann. Der Tenor der Runde: Vielfalt trägt zum Erfolg einer Hochschule bei.

Lisette Reimers vom Arbeitskreis Inklusion eröffnet den Abend. (Foto: Maike Glöckner)

Die Einführung in das Diskussionsthema „Mit Vielfalt zum Erfolg. Wie Diversität die Hochschulen bereichert“ übernahm Lisette Reimers vom Arbeitskreis Inklusion des Studierendenrats. Sie machte deutlich, dass Vielfalt die Studierendenschaft kennzeichne. Viele passten nicht mehr in das Schema des Vollzeitstudenten aus gutem Elternhaus – ohne Kinder, ohne Migrationshintergrund und ohne Behinderung. Müssten Studierende neben dem Studium auch noch Angehörige pflegen oder arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sei ein Studium nur schwer zu bewältigen. Eine Flexibilisierung des Studiums sei gefragt. Und es sei notwendig, über die Chancen zu sprechen, die aus dieser Diversität erwachsen würden, so Reimers.

Einigkeit auf dem Podium

Das Podium war denn auch hochrangig besetzt: Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung in Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Wolfgang Auhagen, Prorektor für Struktur und Entwicklung der Uni Halle, Dr. Andreas Keller, stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft für Erziehung und Wissenschaft, Dr. René Krempkow wissenschaftlicher Referent im Bereich „Programm und Förderung“ beim Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und Katja Urbatsch, Gründerin und Geschäftsführerin von ArbeiterKind.de diskutierten die Herausforderungen und Chancen von Diversität an Hochschulen – allerdings wenig kontrovers.

Die Moderation hatte Dr. Katja Pähle, Vorsitzende des Wissenschaftsforums Mitteldeutschland e.V. und Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag von Sachsen-Anhalt, übernommen. Auch sie betont, was die Podiumsgäste später immer wieder lobten: „Der Arbeitskreis Inklusion ist einer von wenigen Vereinen, der mit Herz und Verstand versucht, barrierearm zu sein.“ Das große Engagement ist anerkannt: Seit seiner Gründung 2014 hat der Arbeitskreis allein mehr als 50 Veranstaltungen zu den Themen Diversität und Inklusion durchgeführt.

Zwei Dolmetscherinnen übersetzten das gesprochene Wort in Gebärdensprache. (Foto: Maike Glöckner)

In der angeregten Diskussion wird dann zunehmend deutlich, dass Diversität als Thema immer wichtiger werde, an Hochschulen in einigen Bereichen aber eher weniger Diversität zu finden sei. So erklärte Dr. René Kremkow vom Stifterverband, dass in den vergangenen Jahren weniger Kinder aus Nicht-Akademiker-Familien studieren. Katja Urbatsch von Arbeiterkind.de bestätigte die Tendenz und sagte, dass Kinder aus Arbeiterfamilien auch aufgrund der fehlenden Vorbilder in der Familie und wegen vermeintlich fehlender Finanzierungsmöglichkeiten auf ein Studium verzichten würden.

Ein Bonussystem für Hochschulen?

Auch das Publikum diskutierte von Anfang an mit und stellte Fragen. Zum Beispiel diese: Können verschieden Diversitätsaspekte, wie zum Beispiel „Behinderung“, „mit Migrationshintergrund“ und „aus Nicht-Akademiker-Haushalt“ unter dem Sammelbegriff der Diversität genannt und auch entsprechend gleichbehandelt werden? Auch hier sind die Gäste auf dem Podium einig: Ja, diese Aspekte können und sollen gemeinsam betrachtet werden. Es würden sich ja oft auch mehrere Aspekte addieren.

Noch in einem weiteren Punkt herrscht Einigkeit, nämlich darüber, dass sich Gesellschaft und insbesondere Hochschulen über Diversität bewusster werden müssen. Prorektor Auhagen sieht dafür die Sprache als wichtiges Medium. Erst wenn sie Gleichheit ausdrücke, seien die unterschiedlichen Gruppen gleichberechtigt. Dazu erarbeite die Universität derzeit eine Leitlinie. Darüber hinaus gehe es aber auch darum „im allgemeinen Bewusstsein zu verankern, dass gemischte Gruppen Vorteile bringen“, so Auhagen. Katja Urbatsch pflichtete ihm bei: „Wir müssen unser ganzes Denken dahingehend verändern, dass Diversität normal ist.“

Minister Willingmann sagte, dass er auch Chancen in einem Bonussystem für Hochschulen sehe. Es gebe vielversprechende Modelle, bei denen die Politik Gelder zur Verfügung stelle, wenn bestimmte Quoten erreicht seien. Gewerkschaftsvertreter Keller, der auch Mitglied des Kuratoriums der Uni Halle ist, empfahl die Stellung von Gleichstellungsbeauftragten zu stärken und diese etwa mit einem Veto-Recht auszustatten. Katharina Ziegler

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