Udo Sträter, Michael Ruprecht und Holger Stahlknecht betrachten das Horoskop, mit dem der Gründungstag der Universität Wittenberg errechnet wurde. (Foto: Markus Scholz)
Udo Sträter, Michael Ruprecht und Holger Stahlknecht betrachten das Horoskop, mit dem der Gründungstag der Universität Wittenberg errechnet wurde. (Foto: Markus Scholz)

Gedächtnis der Universität: Archiv am neuen Standort wiedereröffnet

Staubig, dunkel und verwinkelt? Im 250. Jahr des Bestehens des Archivs der Universität präsentiert sich das Gedächtnis der Hochschule modern und nutzerfreundlich an einem neuen Ort mitten in der Innenstadt von Halle. Zur offiziellen Eröffnung, die gestern im Rahmen der Festwoche zur 200. Wiederkehr der Vereinigung der Universitäten Halle und Wittenberg stattfand, war auch der zuständige Mann im Kabinett – Innenminister Holger Stahlknecht – zu Gast.

Raphael Schmitz (2. v.l.), Auszubildender im Archiv, führt Besucher durch die neuen Räumlichkeiten. (Foto: Markus Scholz)

Raphael Schmitz (2. v.l.), Auszubildender im Archiv, führt Besucher durch die neuen Räumlichkeiten. (Foto: Markus Scholz)

Die zahllosen Dokumente im Archiv der Universität sind für Historiker wichtige Quellen. Bisweilen enthalten sie auch Amüsantes: So wurden 1502 etwa die Sterne befragt, wann der günstigste Zeitpunkt sei, um eine Universität in Wittenberg zu gründen. Das exakte Ergebnis: 17. Oktober 1502, 21.59 Uhr. Allerdings, schon damals verschob man das Ereignis lieber auf üblichere Uhrzeiten und eröffnete die Universität am darauf folgenden Tag. – Zur Eröffnung der neuen Räume und Magazine in der Dachritzstraße 12 am Montag, 19. Juni 2017, 15 Uhr, wusste der Leiter des Archivs Dr. Michael Ruprecht seine Gäste mit launig-wissenswerten Geschichten zu unterhalten. Nicht aber ohne festzustellen, dass die Bedingungen für den Bestand des Archivs sowie für Nutzer und Mitarbeiter nun endlich ideal seien.

Zuvor hatte Ruprecht gemeinsam mit Rektor Prof. Dr. Udo Sträter Innenminister Stahlknecht auf einem individuellen Rundgang einige kostbare Dokumente gezeigt – zum Beispiel das Gründungsprivileg von 1502 oder die päpstliche Bulle von 1507, die Gründung und Ausstattung der Universität in Wittenberg bestätigt. Diese Schätze sowie Akten, die oft von Archivnutzern nachgefragt werden, lagern nun unter klimatisch perfekten Bedingungen gleich neben dem Forschungsaal. Acht technisch gut ausgestattete Arbeitsplätze stehen dort zur Verfügung und die Mitarbeiter haben kurze Wege, um Dokumente – die nicht bereits digital vorliegen – den im Saal arbeitenden Nutzern bereitzustellen.

Rektor Sträter, als Kirchenhistoriker selbst häufiger Archivbesucher, nahm dies in seiner kurzen Begrüßung begeistert auf und stellte gleich sein eigens mitgebrachtes Namensschild auf einen der Tische, um sich einen Platz zu reservieren. Er erinnerte jedoch auch noch einmal daran, unter welchen schlechten Bedingungen das Archivgut bisher hatte lagern müssen. „Das Archiv in der Pfännerhöhe war nicht mehr tragbar – und teilweise nicht mehr tragfähig“, so der Rektor.

Katharina Thaler hält das Absperrband aus dem alten Archiv, das Ruprecht, Stahlknecht und Sträter feierlich zerschneiden. (Foto: Markus Scholz)

Katharina Thaler hält das Absperrband aus dem alten Archiv, das Ruprecht, Stahlknecht und Sträter feierlich zerschneiden. (Foto: Markus Scholz)

In seinem Grußwort machte Innenminister Stahlknecht die Bedeutung des Archivs mit einem Zitat des Dichters Novalis deutlich: „Schriften sind die Gedanken des Staats, die Archive sein Gedächtnis“. Mit den neuen Räumlichkeiten habe die Universität eines der schönsten und modernsten Gedächtnisse erhalten, so der Minister.

Ein rotes Absperrband aus dem alten Archiv in der Pfännerhöhe, das mit dem Aufdruck „Kein Durchgang“ versehen war, wurde schließlich Symbol für den Neuanfang am neuen Ort. Stahlknecht, Sträter und Ruprecht durchschnitten es gemeinsam, bevor sie mit Sekt auf die Zukunft des Archivs anstießen. Zukunft hat es am neuen Ort in der Tat: Auf 1.800 Quadratmetern finden insgesamt sechs Kilometer Archivgut Platz, erst vier davon sind gefüllt.  Katharina Ziegler

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