Wie fühlt sich Studieren an?

Zum vierten Mal besuchten Schüler der 12. Klasse des Jacob-Grimm-Gymnasiums aus Rotenburg an der Fulda die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Direkt nach Pfingsten sind sie angereist, am heutigen Donnerstag (16. Juni 2011) geht’s zurück nach Hessen. Ihre Einblicke ins Uni-Leben sind vielfältig. Es geht um Steine und Zähne, Sprache und Essen – sowie nicht zuletzt um das Uni-„Feeling“.

Das Gymnasium aus Rotenburg war eines der ersten Prime-Gymnasien der MLU. Ziel der Kooperation ist es, Abiturienten für ein Studium zu begeistern. Bei den 120 Rotenburgern scheint das zu gelingen. Während einige der Schüler in der Geologie Steine erforschen, nehmen andere am Sprachtraining in der Japanologie teil. Weitere Einblicke bekommen die Schüler in Jura, Medienwissenschaften oder den Naturwissenschaften. Bei einigen Angeboten werden die Gymnasiasten auch selbst aktiv.

Eine Schülerin fertigt am Computer eine Zahnkrone an. (Foto: Maria Preußmann)

„Stellt euch vor, in Rotenburg soll eine neue Schule gebaut werden. Mit einer Computer-Simulation könnt ihr zum Beispiel herausfinden, ob es günstiger ist, die Schule etwas außerhalb oder ins Stadtzentrum zu bauen.“ Mit diesem Beispiel versucht der Diplom-Wirtschaftsinformatiker Karsten Helbig den Schülern eine Methode der Wirtschaftsinformatik näher zu bringen. Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Operations Research widmet sich in seiner Veranstaltung der Simulation. „Das ist eine sehr schöne Methode, bei der die Schüler schon nach kurzer Zeit ein Ergebnis sehen können“, sagt Helbig.

Den Schulbau simulieren sie zwar nicht, entwickeln aber am Computer in nur neunzig Minuten den Ablauf in einer Mensa und versuchen, diesen zu optimieren. Jan Breite, einer der Schüler, ist von diesem Angebot am meisten angetan: „Ich finde es sehr gut, dass wir hier mit einbezogen werden. Bei einer Veranstaltung in Psychologie haben wir leider viele Dinge gehört, die man auch im Internet nachlesen kann.“ Trotzdem bleibt ein Psychologie-Studium für ihn eine Option: „Aber nur, wenn es dann mit den Noten klappt.“

Am ersten Abend denken die Schüler weniger an Noten, denn auf dem Programm steht endlich Freizeit. Zwar fällt die geplante Grillfeier wegen des Wetters aus. Unterschlupf finden die Schüler aber spontan in einem der größten Restaurants in Halle. „Das ‚Enchilada’ ist cool. So etwas haben wir hier nicht erwartet“, sagt Linda Gurill. Bei einer Stadtführung lernen die Gymnasiasten noch weitere Orte von Halle kennen. „Jetzt haben wir auch den schönen Teil von Halle gesehen“, sagt Jan Breite. „Die Plattenbausiedlung, in der wir wohnen, hat uns zuerst etwas abgeschreckt.“ Ausgewählt hatten das Quartier die Lehrer.

Eine Studentin zeigt den Schülerinnen, wie ein Gipsabdruck hergestellt wird. (Foto: Maria Preußmann)

Im Laufe der drei Tage besuchen die Schüler außerdem das Juridicum, essen in der Mensa zu Mittag und bummeln am Nachmittag durch die Innenstadt. Eben fast wie ein Student. Laura Bubletz hätte auch gern mal in einer richtigen Vorlesung gesessen. „Einfach um das Feeling an der Uni mal mitzunehmen.“

Etwas mehr Feeling erfährt ein Teil der Gymnasiasten an der Universitätspoliklinik für zahnärztliche Prothetik. Dort werkeln gerade Studierende mit Hämmerchen und Schleifgeräten an Zahnprothesen. Der Geräuschkulisse zum Trotz erklären zwei Studierende, wie der Gipsabdruck eines Gebisses hergestellt wird. Diesen gießen die Schüler daraufhin selbst. „Das ist eigentlich das Handwerk des Zahntechnikers, gehört aber zur Ausbildung eines Zahnmediziners dazu“, erklärt Dr. Karl Ernst Dette, Leiter der Uni-Poliklinik für zahnärztliche Prothetik. Im Computerkabinett wird den Schülern außerdem gezeigt, wie passgenaue Zahnkronen mit neuester Computer-Technik hergestellt werden. „Dieser Fortschritt ist beeindruckend, wird aber in naher Zukunft den Beruf des Zahntechnikers gefährden“, so Dette. Die Schüler jedenfalls nehmen ihr Andenken an die Zahnmedizin mit nach Hause.

Ob der ein oder andere Schüler das Fach wählt, das er an den drei Tagen kennengelernt hat, wird sich in einem Jahr entscheiden. Dann werden die Schüler mit dem Abitur in der Tasche ihre Bewerbungen verschicken, vielleicht auch an Halles Universität.

Text: Maria Preußmann

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