Eine Exkursion des Bioethik-Seminars führte auch in einen Nutztierbetrieb (Foto: Gesa Richter)

Eine Exkursion des Bioethik-Seminars führte auch in einen Nutztierbetrieb (Foto: Gesa Richter)

Bio? Aber bitte mit Ethik!

Wie weit darf Genforschung gehen? Sind Tierversuche ethisch vertretbar? Und welche Grenzen gibt es bei der Sterbehilfe? Fragen der Bioethik werden regelmäßig öffentlich diskutiert. Im Biologiestudium sind sie bislang jedoch kaum ein Thema. Eine Gruppe von Studierenden an der MLU will das ändern. Schon zum zweiten Mal bietet die „Studentische Förderinitiative der Naturwissenschaften“ ein Studienmodul zur Bioethik an.

Die Biowissenschaftler der MLU arbeiten in vielen Fachgebieten weltweit ganz vorn. Wer in Halle Biologie studiert, lernt bei einer Leibniz-Preisträgerin, experimentiert in modernen Laboren und Gewächshäusern und profitiert von der engen Zusammenarbeit mit renommierten Forschungszentren. Ein wichtiges Thema kommt manchen angehenden Biologen in ihrem Studium aber zu kurz. „Bei den Theologen gibt es ein Bioethik-Seminar, aber in den Naturwissenschaften nicht. Das ist schade und auch ein bisschen absurd“, findet Biologiestudentin Julia Dieskau.

Denn angehende Biologen werden immer wieder mit der Thematik konfrontiert. „Ich habe zum Beispiel ein Praktikum am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung gemacht, als dort die Gen-Versuchsfelder von Umweltaktivisten zertrampelt wurden“, erzählt Dieskau. Über aktuelle Forschungsvorhaben wird in der Vorlesung intensiv diskutiert, ethische Aspekte werden dagegen selten angesprochen. „Das Thema kommt im Stundenplan nicht vor, da wird Vieles offen gelassen“, sagt ihre Kommilitonin Kerstin Gößel. „Es stimmt, dass Bioethik im Studium zurzeit kaum eine Rolle spielt.“, bestätigt Prof. Dr. Isabell Hensen, die Prodekanin für Lehre an der Naturwissenschaftlichen Fakultät II. „Dafür steckt jeder Dozent vielleicht zu sehr in seinem eigenen Lehrstoff und -pensum. Aber natürlich schließt das keine Diskussion darüber aus“, betont sie.

In der „Studentischen Förderinitiative der Naturwissenschaften“ (SFI) entstand die Idee, eine Vortragsreihe zur Bioethik zu veranstalten, in der die Studenten mit Experten diskutieren können. „Unser Ziel ist es dabei nicht so sehr, Stellung zu beziehen, sondern den interdisziplinären Dialog anzuregen und die verschiedenen Meinungen zusammenzubringen, um einen gemeinsamen Konsens zu finden oder ihm zumindest näher zu kommen“, erläutert Dieskau. Die Reihe startete 2010 mit Filmvorführungen zur Gentechnik und zur Lebensmittelindustrie. Es folgten Vorträge, Exkursionen und eine Posteraustellung der Studenten am Weinberg Campus. Im kommenden Wintersemester wird die Veranstaltung jetzt zum zweiten Mal als Modul zum Erwerb „Allgemeiner Schlüsselqualifikationen“ (ASQ-Modul) angeboten.

Die Seminarteilnehmer zu Gast im Hühnerhof Steuden (Foto: Gesa Richter)

Die Seminarteilnehmer zu Gast im Hühnerhof Steuden (Foto: Gesa Richter)

 

Das Interesse der Studierenden ist groß. 36 Teilnehmer meldeten sich zum ersten Seminar an und auch die Referenten waren von der Idee begeistert. „Einige waren zuerst noch skeptisch, ob sie etwas beitragen könnten, weil sie sich mit Ethik nicht wissenschaftlich beschäftigen“, erzählt Julia Dieskau. „Deshalb hatten wir im letzten Wintersemester noch mehr Philosophen und Ethiker als Naturwissenschaftler zu Gast. Für das nächste Semester haben wir aber vor allem Naturwissenschaftler eingeladen.“

Jeweils montags um 17 Uhr werden im Wintersemester alle zwei Wochen Referenten im Audimax der MLU zum Beispiel über Sterbehilfe, Gentechnik oder Organspende sprechen. Alle Interessenten sind zu den öffentlichen Vorträgen eingeladen. In der Woche zwischen zwei Vorträgen wollen die Teilnehmer des ASQ-Moduls ausführlich diskutieren – und zusammen mit dem halleschen Debattierclub „klartext e.V.“ auch debattieren. „Der intensive Austausch in Seminaratmosphäre ist uns sehr wichtig, deshalb haben wir die Zahl der Teilnehmer auf 24 beschränkt“, erklärt Julia Dieskau. Aus diesem Grund muss, wer teilnehmen will, seine Motivation zunächst schriftlich erklären. Die Bewerbungsfrist endet am 10. Oktober. Corinna Bertz

 

Weitere Informationen gibt es auf der SFI-Webseite.

 

Die Veranstaltungen im Überblick:

Termin Thema Referent
24.10.2011 Tierversuche Dr. Wolf-Dieter Hirsch (Chirurg am Klinikum Grimma, Mitglied des deutschen Tierschutzbundes e.V.) und Dr. Seidel
14.11.2011 Mensch-Tier-Dualismus Dr. Uta Eichler (Philosophische Fakultät MLU)
28.11.2011 (Bio)chemisch heilen. Prof. Dr. Peter Imming (Institut für Pharmazie, MLU)
12.12.2011 Grüne Gentechnik Dr. Patrick Schweizer (Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung Gatersleben)
11.01.2012 Palliativmedizin Prof. Dr. Ulrich R. Kleeberg (Facharzt für Palliativmedizin, Hämatologie und Onkologie)
23.01.2012 Organspende Prof. Dr. Hans Lilie (Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtsvergleichung und Medizinrecht an der MLU)

 

 

 

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